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Gestern feierte er seinen 95. Geburtstag in kleiner Gesellschaft im Alterszentrum in Schöftland. Neben seiner Ehefrau Rosa und Tochter Katharina gesellte sich auch Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr aus Reitnau zu den Gratulanten und überreichte ihm das Geschichtenbuch «REITNAUerleben» sowie Honig und einen Cafeteria-Gutschein.

Gotthilfs Lebensmotto «Wer rastet, der rostet» zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Als zweiter Bauernsohn von Gotthilf Maurer kam er am 28. April 1928 in Attelwil zur Welt. Er besuchte die Primarschule im zweistöckigen Schulhaus am Rollhafen. «In diesem gab es nur zwei Klassenzimmer – eine Gesamtschule eben – und man sass acht Jahre lang im gleichen Klassenzimmer», erinnert sich der Jubilar. Danach absolvierte er eine zweijährige Lehre zum Hobel-Maschinisten im Hobelwerk im Dorf.

Am 24. April 1953 heiratet er seine Frau Rosa, welche er an einem Tanzabend kennenlernte. Gemeinsam zogen sie aus beruflichen Gründen nach Pieterlen (BE), wo er über vier Jahre als Magaziner tätig war und erstmals Vater eines Sohnes und einer Tochter wurde. Daraufhin zog es die Familie ins heimische Suhrental, wo zwei weitere  Töchter die Welt erblickten. Da es am Rollhafen zu eng wurde, bauten sie 1962 ein Eigenheim und die sechsköpfige Familie zog ein. Mit zwei weiteren Töchtern waren sie komplett. Rosa hatte mit den Kindern, dem Haushalt sowie dem 9 Aren grossen Garten viel zu tun. Gotthilf war tagsüber bei der Walter Holzwarenfabrik in Oberentfelden und produzierte dort täglich zigtausende Holzkleiderbügel. Ferner half er seinem Bruder im Bauernbetrieb aus. Doch am liebsten verschwand er für Stunden in seiner Werkstatt, die er sich im Erdgeschoss des Eigenheims eingerichtet hatte. «Er war immer ein Macher, ein Mann, der mitanpackt», sagt seine Tochter Katharina und er ergänzt: «Feierabend gab es meist erst nach Mitternacht.» So überrascht es nicht, dass von der Küche bis hin zum Sitzplatz und den massiven Schränken sowie Schnitzarbeiten alles aus Gotthilfs Eigenproduktion stammt.

Bis zu seiner Pensionierung war er in der Produktion der Hunziker AG «Blächi» in Kirchleerau tätig. Zu Beginn seiner Pensionierung erlitt er einen Herzinfarkt, der es ihm heute erschwert, sich an Vergangenes zu erinnern. Sein enormer Wille trug jedoch dazu bei, dass er wieder laufen, reden und schreiben lernte. Doch die Feinmotorik war stark angeschlagen, so dass er seinem Hobby – dem Schnitzen – nicht mehr gerecht wurde. Gemeinsam mit seiner in Österreich lebenden Tochter nahm er aber weiterhin Schnitz-Aufträge entgegen, wobei sie das Schnitzen und er das Patinieren und Lackieren übernahm. Seit 2017 lebt er mit Rosa im Altersheim. «Nach der Arbeit darf ich jetzt etwas ruhen», sagt er verschmitzt lächelnd. Und bei acht Enkeln und drei Urenkel bleiben Besuche nicht aus.

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